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Gern
skeptisch: der mündige Patient
Ein gesundes Maß an Skepsis trägt der moderne, mündige Patient
in die Sprechstunde. Der Arzt ist hier natürlich gefordert und
freut sich: Endlich einmal ein konstruktives Gespräch!
Arzt: Wenn das
Leiden schnell verschwinden soll, verschreibe ich Ihnen eine Cortison-Salbe.
Patient: Umgotteswillen! Nur das nicht. Diese gefährlichen Nebenwirkungen!
Arzt: Es ginge auch einigermaßen mit
einer antibiotika-haltigen Salbe.
Patient: Himmelnurdasnicht! Das ist doch total unnatürlich und
bringt das ganze biologische Gleichgewicht durcheinander.
Arzt: Na gut, es könnte Ihnen eine Lichttherapie
helfen.
Patient: Strahlen? Ich will doch keinen Krebs kriegen.
Arzt: Es dauert zwar wesentlich länger,
aber notfalls täte es auch eine fetthaltige Salbe.
Patient: Dann gewöhnt sich meine Haut daran, produziert kein Fett
mehr selbst und prompt leide ich an trockener Haut! Nein Danke.
Nie leicht fertig: der einfache mündige
Patient
Diese einfache Stufe der Mündigkeit haben unterdessen viele Patienten
hinter sich gelassen. Sie betreten das Sprechzimmer nicht nur
mit der fertigen Diagnose auf den Lippen, sondern kennen auch
das passende Präparat dagegen. Was ihnen noch fehlt, ist die Unterschrift
des Doktors unter dem Rezept:
Kennt die Diagnose: der fortgeschrittene
mündige Patient
Patient:Guten Tag, ich leide unter Schlaflosigkeit und brauche
dafür ein Beruhigungsmittel, am besten Valium.
Arzt: Aber bitte erzählen Sie doch ersteinmal
die ganze Geschichte.
Patient: Da gibt es nicht viel zu erzählen, ich weiß schon was
mir gut tut.
Arzt: Valium ist ein starkes Medikament,
das kann ich nicht so ohne weiteres verordnen.
Patient: Meinem Bekannten hat es ganz hervorragend geholfen. Und
neulich im Fernsehen haben sie auch gesagt, daß...
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Gute
Gründe für kritische Fragen
Die gesunde Skepsis der mündigen Patienten kommt nicht von ungefähr.
Kaum einer, der nicht abendfüllende Geschichten zu erzählen weiß
von wiederkehrenden Röntgen-Sitzungen, Labortestreihen und so
weiter. Dabei wäre es so viel gesünder gewesen, hätte sich der
Arzt die bereits vorliegenden Befunde aus der Praxis seines Kollegen
schicken lassen. Gesünder zwar, aber nicht so einträglich wie
eine neue Untersuchung. Welcher Patient kennt nicht die stille,
schale Frage, ob seine Backenzahnfüllung in erster Linie der Gesundheit
diente oder der Finanzierung von Doktors neuer Segelyacht.
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