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Einleitung
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Ist
passé: der Halbgott in weiß
Vor ziemlich langer Zeit gab es ihn wirklich einmal: Den Hausarzt
im gestärkten weißen Mantel samt silbern funkelnden
Knöpfen. Er schien durch das Sprechzimmer zu schweben wie
der liebe Gott. Welch unnahbare und doch gütige Menschenseele,
die soviel Gutes tun konnte; in deren Händen wir unsere Sorgen
wohl aufgehoben wußten. So unglaublich viel wußte
er vom Körper und den Krankheiten; daß manches nur
in lateinischen Kürzeln Platz fand. Voll des Vertrauens in
die Unfehlbarkeit unseres Doktors, ohne aber wirklich zu verstehen,
machten wir uns geborgen auf den Weg der Besserung.
Auf
dem Weg zum Medizinmanager
Doch, wie gesagt, das ist lange her, und unser Doktor hat sich
auf den Weg hin zum modernen Gesundheits- und Medizinmanager begeben.
Schließlich können die Zeichen der Zeit nicht vor der Praxistür
haltmachen. Allerdings zeigt sich auch ein Silberstreif am Horizont
der Medizinwelt: Ärzte haben die Lupe aus der Kitteltasche gezogen
und beginnen wieder, den Menschen in der Medizin zu entdecken.
Mehr noch, sie suchen sogar den Partner im Patienten, auch wenn
das nicht immer auf Anhieb klappt.
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Patienten wollen wissen, was gespielt
wird
Sie tun gut daran, denn die Mehrheit der rund 80 Millionen Patienten
hierzulande ist gesundheitsbewußt, mündig und will tatsächlich
wissen, was gespielt wird in den Sprech- und Behandlungszimmern.
Doch in der Praxis fällt das nicht leicht. Hand aufs Herz: Verstehen
Sie - hungrig und müde vom langen Sitzen im Wartezimmer - den
gehetzten Doktor, was er so murmelt und was er verschweigt?
Ursache
für ärztliche Eile: das Geld
Wenn die Medizin den Laien als eine Art Geheimwissenschaft erscheint,
hat das mehrere Ursachen: Welcher Arzt, welche Ärztin findet
aus dem lange Jahre trainierten Fachjargon schon heraus, zurück
zur Sprache ihrer Klienten? Auch das Gesundheitssystem trägt
dazu bei, daß dem Arzt wenig Zeit bleibt für geduldige
und verständliche Erläuterungen. Einmal am Ausplaudern
skizziert der Autor, wie die Ärzte zu ihrem Einkommen kommen.
Über ärztliche Eile wird sich da niemand mehr wundern
(siehe Kapitel Abrechnung).
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Mit
Nebenwirkungen: ärztliche Ausbildung
Dieses Buch zeigt, wie die Ärzte zu dem werden, was sie sind,
welche Denkweisen sie trainieren und welche Deformationen so ein
Studium hinterlassen kann (siehe Kapitel Aufzucht). Der Autor
schaut ihnen über die Schulter, gewährt Einblicke in ihre tägliche
Routine und die Grenzen ihrer Kunst - ganz menschlich und gar
nicht übernatürlich.
Ärztelatein
zum Verschweigen
Nach einem Seitenblick auf die häufigsten Gesundheitsstörungen
und Zipperlein, an denen der Hausarzt tagtäglich arbeitet, muß
auch ein bißchen Offenheit erlaubt sein: Die Tabelle des geheimen
Ärztelateins - nicht für Augen und Ohren von Patienten bestimmt
- zeigt, daß wolkige Worte zutiefst profane Dinge umschreiben
(siehe Kapitel Ärztelatein). Denn auch der Arzt ist nur ein Mensch
- und nicht erst wenn seine Fachsprache ihre Geheimnisse verloren
hat.
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Nun
kennt die deutsche Sprache immer noch keine geschlechtsneutrale
Anrede. Natürlich stehen der Arzt und der Patient gleichberechtigt
und synonym für die Ärztin und die Patientin. Ohne Rücksicht auf
den klitzekleinen Unterschied, der - rein biologisch betrachtet
- ohnehin nur zwei Prozent ausmacht !
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