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Füllt
Praxen und Poesiealben: das Herz
Eigentlich ist das Herz lediglich ein etwa faustgroßer Hohlmuskel
im Brustkorb auf der linken Seite. Doch es hat nicht nur seit
Jahrhunderten die Poeten inspiriert, sondern führt auch Tag
für Tag viele Menschen in die Arztpraxen und Krankenhäuser.
So nimmermüde dieses robuste Marathon-Organ auch arbeitet;
seine Bedeutung sichert ihm viel Aufmerksamkeit und gibt Anlaß
für zahlreiche Arztbesuche, zumal auch gern seelische Probleme
auf diese Pumpe projiziert werden.
Tatsächlich: zwei Herztöne
Schon der Herzton zeigt, daß das Pumpen des Herzens eine
aufwendige Angelegenheit ist: So lassen sich mit Hilfe des Stethoskops
bei jedem Herzschlag zwei charakteristische Geräusche wahrnehmen:
Ziehen sich die Herzkammern zusammen, ertönt ein dumpfer
Ton, der erste Herzton. Schließen sich die Klappen der Hauptschlagader
und der Lungenschlagader, damit das frisch gepumpte Blut nicht
wieder zurückfließt, klingt der zweite Herzton. Öffnen
oder schließen diese Ventile nicht einwandfrei, entstehen
im Takt des Herzschlages Nebengeräusche etwa der Art, als
würde man einen laufenden Wasserhahn mit dem Finger teilweise
zuhalten.
Aufregend:
Herzströme messen
Die rhythmischen Schläge des Herzens werden durch zarte elektrische
Impulse ausgelöst. Eine Glühbirne können diese
elektrischen Ströme sicher nicht leuchten lassen, doch ein
teurer Apparat - der Elektrokardiograph, kurz EKG, vermag sie
aufzuzeichnen. Mit solch einer Maschine samt ihrer vielen Kabel
und Monitore flößt der Arzt nicht nur Respekt ein,
sondern prüft auch die Steuerung des Herzens: Das EKG eines
Gesunden zeigt ein rhythmisches Bild mit genau definierten Wellen
und Zacken. Veränderungen in diesem Bild können viele
Ursachen haben. Gelegentlich leidet der arme Patient tatsächlich
an Herzrhythmusstörungen oder anderen Problemen rund um die
Pumpe. Manchmal ist aber auch nur das teure Gerät kaputt.
EKG
auch ohne Arzt
Einen großen Vorteil hat so ein EKG-Gerät: Es funktioniert
auch ohne den Arzt. Während seine Helferinnen das Geld damit
verdienen, kann er sich schon dem nächsten Patienten widmen.
Parfüm
kann EKG verfälschen
Doch auch wer das normale EKG mit Prädikat absolviert, hat
noch lange nicht seine Gesundheit bewiesen. Es gibt schließlich
noch das sogenannte Belastungs-EKG: Dazu muß der Kandidat
auf einem festgeschraubten Trimmrad ackern, während das EKG
seinem Herzen unter dieser körperlichen Belastung zuschaut.
Treten schon vor der Abfahrt Anomalien auf, könnte es vielleicht
am Parfüm der Sprechstundenhilfe oder dem Rasierwasser des
Assistenzarztes liegen. Seit einigen Jahren gibt es computergesteuerte
EKG-Geräte, die nicht nur die Herzströme aufzeichnen,
sondern sogar die Kurven deuten und die Diagnose samt Therapievorschlag
ausspucken. Dennoch: Bis zum ersten Arztroboter ist es noch ein
weiter Weg.
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