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Geschichten
aus dem Sprechzimmer
Zu
sich selbst finden: im Wartezimmer
Die Krankengeschichte
Die Routine in der Sprechstunde
Abenteuer
Ausziehen
Der erste Eindruck
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Endlich
beim Arzt
All' das Warten hat sich gelohnt, Arzt und Patient sitzen beieinander.
Was aber kann der Doktor denn nun tun? Vielleicht geht es ja lediglich
um die Spuren des vergangenen Abends. Oder hat die Grippe wieder
zugeschlagen? Nervt der eingewachsene Nagel am großen Onkel?
Einmal den Blutdruck kontrollieren bitte! Ist der neue Leberfleck
harmlos? Welche Impfungen braucht man für den Inselurlaub?
Auch die Hausmittel von Tante Hilda haben nicht geholfen und die
rezeptfreie Tinktur aus der Apotheke war das Geld nicht wert.
Dr.
med. Poirot
Die Geschichten rebellierender Mägen und eingewachsener Zehennägel
sind schnell erzählt, Diagnose und Therapie liegen auf der
Hand. Doch eindeutige Krankheitsfälle sind in der Praxis
eher die Ausnahme. Um den tieferen Ursachen der Leiden auf die
Spur zu kommen, braucht der Arzt Erfahrung und Routine. Er muß
vorgehen wie ein Detektiv. Neben dem geschulten Auge und einem
feinen Tastsinn dienen vor allem des Arztes gespitzte Ohren, wenn
es gilt, die entscheidenden Informationen herauszufiltern.
Am
Anfang war die Befragung
An erster Stelle des Arztbesuches steht deshalb das Erfragen der
Beschwerden und ihrer Begleitumstände. Weil Patientenbefragung
lasch klingt, verwenden Mediziner den kraftvollen Fachbegriff
Anamnese. Systematisch erfragt der Arzt von seinem
Patienten die aktuellen Krankheitszeichen - Symptome genannt -
und wichtigen Erkrankungen der Vergangenheit.
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Angst
vor Exzessen: Was der Arzt nicht wissen will
Ein guter Arzt hört auch aufmerksam zu, wenn seine Patienten
ihren Kummer von der Seele reden, hilft behutsam aus, wenn die
Worte zur Beschreibung der Krankheitszeichen fehlen. So schön
die Theorie und hoffentlich auch die Praxis. Doch bisweilen packt
den Arzt das Grausen, wenn er bei jedem Patient tatsächlich
so genau zuhören, so ausgiebig erklären und besprechen
muß. Schlimmer noch: Der Arzt im wahren Leben leidet schrecklich,
wenn ein Patient partout nicht aufhören will, alles haarklein
zu erzählen, all die mutmaßlichen Ursachen, was so
in den Illustrierten stand und so fort. Es muß schon ein
sehr guter Arzt sein, der die angeregte Unterhaltung erträgt,
wenn sie die Krankheiten der Verwandten dritten Grades erreicht.
Die eigenmächtigen Schlußfolgerungen von Patienten
reichen von lustig bis abenteuerlich, besonders wenn sie in dem
unverrückbaren Verlangen nach einer bestimmten Therapie münden.
Zum Glück hat der Doktor da noch ein Wörtchen mitzureden.
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Diagnose:
Mode-Krankheit
Mit bereits fertiger Diagnose treten insbesondere die Teilnehmer
an Krankheitswellen ins Sprechzimmer. Diese Wellen treten erstaunlicherweise
bei Erkrankungen auf, die eigentlich nicht ansteckend sind.
Doch kaum berichtet eine bunte Zeitschrift über eine schaurig-schöne
Krankheit, erkennt eine Hundertschaft der Leser, daß sie
an eben diesem Syndrom, pardon: Krankheitsbild leidet. Und die
Wartezimmer sind gleich etwas voller. Keine leichte Aufgabe
für den Arzt also, so ein Gespräch zielstrebig zu
lenken. Und so detailliert die einen berichten, so verschämt
lassen andere bedeutsame Aspekte unter den Tisch fallen. Da
muß der Mediziner nicht nur Detektiv sein, sondern auch
Psychologe.
Was
wann wo wie wodurch?
Je deutlicher ein Patient seine Leiden, Schmerzen und Symptome
benennen kann, desto klarer sieht der Arzt. Schmerzt der Bauch
rechts unten seit drei Stunden oder schon seit drei Monaten?
Der Arzt ermittelt dann in jeweils unterschiedliche Richtungen.
Aus vielen einzelnen Elementen entsteht so ein Bild der Krankheit,
die es zu lindern und zu heilen gilt.
Der
ideale Patient
Der ideale Patient beherzigt die Hinweise des Arztes, antwortet
zielgerichtet und bremst den eigenen Redefluß, wenn ein
Thema abgehandelt ist. Gäbe es ausschließlich solche
Wunschpatienten, hätte ein Arzt sein tägliches Arbeitspensum
bereits nach drei Stunden geschafft und könnte noch vor
der Tagesschau heim zur Familie fahren. Oder noch mehr Geld
verdienen.

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