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Ohne
Mediziner: Medizin vom Apotheker
Bei jedem Wehwehchen zum Arzt laufen? Nein Danke! Für das
kleine Leiden nebenbei gibt es schließlich altbewährte
Hausmittel. Und bei weitem nicht alle Packungen und Präparate
in der Apotheke muß der Arzt verschreiben. Ein Gutteil seiner
Packungen verkauft ein Apotheker direkt an die Kundschaft, ohne
daß ein Arzt mithilft. Diese rezeptfreie Ware nennen Insider
OTC (Over the counter - direkt über den Tresen).
Eine Milliarde Mark für Pharmawerbung
Für rezeptfreie Präparate fließen hierzulande
jedes Jahr mehr als acht Milliarden Mark über die Tresen
der Apotheken, statistisch rund hundert Mark pro Einwohner. (Von
dem Ertrag geben die Pharmafirmen knapp eine Milliarde Mark pro
Jahr wieder für Arzneimittelwerbung aus.) Den Löwenanteil
dieser rezeptfrei verkauften 700 Millionen Medikamentenpackungen
stellen Husten- und Erkältungsmittel, Schmerzmittel sowie
Präparate für Magen und Verdauung.
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Rund eine Milliarde Mark pro Jahr geben die Pharmafirmen für
Werbung aus. Doch die Reklame beglückt nicht allein die Patienten.
Keine Arztpraxis, die nicht täglich von bis zu zehn Vertretern
der Pillenindustrie heimgesucht wird. Selbstverständlich
preist jede Firma ihr Präparat als das Beste auf dem Markt
- und der Arzt weiß manchmal nicht, ob er lachen oder weinen
soll. Auf jeden Fall ärgert er sich über die verschwendete
Zeit.
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Wegen Kleinigkeiten zum Arzt?
Rezeptfreie Medizin hat Vorzüge: Die Patienten müssen
nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt, lediglich um sich ein
Rezept ausstellen zu lassen. Ihnen bleibt viel Zeit erspart, den
Krankenkassen (und damit der Allgemeinheit) viel Geld - und den
Ärzten so mancher Kunde. Verständlich, daß den
Ärzten und ihren Interessenvertretern dieser Markt der freiverkäuflichen
Medikamente ein Dorn im Auge ist. Und sie haben sich in der Vergangenheit
in Deutschland wacker geschlagen: In anderen Staaten, darunter
auch vielen Urlaubsländern, werden Medikamente frei verkauft,
die es hierzulande nur auf Rezept gibt: Antibiotika, Antibaby-Pillen
und mehr.
Rauchen
& Trinken frei, Pille & Antibiotika nicht
Das Argument der Ärzte für eine weitreichende Rezeptpflicht:
stark wirksame Medikamente dürfen nicht ohne medizinische
Kontrolle an Laien abgegeben werden. Doch wie weit darf die eigene
Verantwortung reichen? Alkohol und Zigaretten gibt es an jeder
Ecke. Und fast jeder darf nach kurzer Unterrichtung Autos durch
Stadt und Land lenken, die mehrere hundert Stundenkilometer schnell
rasen können. Das Gaspedal nur einen Augenblick lang falsch
dosiert, und schon steht das Leben unbeteiligter Menschen auf
dem Spiel. Die TÜV-Prüfer wären steinreich, müßten
sich Autofahrer jede Tour (per Rezept) einzeln genehmigen lassen.
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